{"id":42,"date":"2014-02-09T17:35:02","date_gmt":"2014-02-09T16:35:02","guid":{"rendered":"http:\/\/angenehmerweise.de\/majusebetter\/?p=42"},"modified":"2014-02-25T18:07:59","modified_gmt":"2014-02-25T17:07:59","slug":"der-mit-den-affen-bruellt-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/angenehmerweise.de\/majusebetter\/der-mit-den-affen-bruellt-teil-2\/","title":{"rendered":"Der mit den Affen br\u00fcllt &#8211; Teil 2"},"content":{"rendered":"<p>Das Leben in Rio Negro ist alles andere als ein Zuckerschlecken. Die ersten Behausungen sind notd\u00fcrftig zusammengekloppte H\u00fctten aus Urwaldholz und Palmbl\u00e4ttern. Der Boden f\u00fcr den Ackerbau muss zun\u00e4chst m\u00fchsam gerodet werden. \u00dcber das notwendige Saatgut verf\u00fcgen die Einwohner immerhin schon. Sie haben es den ganzen weiten Weg aus der Heimat hierher mitgeschleppt. Dann erleben sie jedoch eine herbe Entt\u00e4uschung. <!--more-->Die Saat geht zwar in dem fruchtbaren Boden auf, aber sie wirft keine Fr\u00fcchte ab. Zudem haben die Einwanderer M\u00fche, sich dem ver\u00e4nderten Zeitrhythmus anzupassen. Rio Nego liegt auf der s\u00fcdlichen Halbkugel, also sind die Jahreszeiten vertauscht. Die Bauernregeln taugen hier allenfalls f\u00fcr den Misthaufen. Dazu gesellen sich gelegentliche Konflikte mit den Ureinwohnern, die wenig von den neuen Nachbarn halten, unbekannte Krankheiten und Begegnungen mit wilden Tieren. Die Einwanderer m\u00fcssen bitteres Lehrgeld bezahlen und Jahre der Entbehrung \u00fcberdauern.<\/p>\n<p>Adam G\u00f6tten aber \u00fcbersteht auch diese Widrigkeiten. Zehn Jahre nach der Ankunft in der Neuen Welt heiratet er 1839 <a title=\"Personenblatt Anna Barbara Roth\" href=\"http:\/\/angenehmerweise.de\/genealogy\/getperson.php?personID=I13985&amp;tree=tree1\" target=\"_blank\">Anna Barbara Roth<\/a>, die aus Reil an der Mosel zugewandert ist. Adam macht in der Folge seinem biblischen Namen alle Ehre. Von diesem einen Mann stammen bis heute mindestens <a title=\"Nachfahren Adam G\u00f6tten\" href=\"http:\/\/angenehmerweise.de\/genealogy\/register.php?personID=I04931&amp;tree=tree1&amp;generations=15\" target=\"_blank\">516 Nachfahren<\/a> ab. Eine stolze Zahl innerhalb von nicht einmal 175 Jahren. Die Familie von\u00a0Ad\u00e3o Goetten bleibt allerdings nicht in Rio Negro. Nach 1850 zieht sie zun\u00e4chst weiter nach Santa Cec\u00edlia in den Nachbarstaat Santa Catarina und schlie\u00dflich in dessen Hauptstadt Curitibanos.<\/p>\n<h2>Der Alte mit den Mucken<\/h2>\n<p>Horst-Dieter G\u00f6tterts Recherchen verdanken wir im \u00dcbrigen noch eine bunte Geschichte \u00fcber Adam G\u00f6tten, die uns den Mann jenseits von Daten und Fakten n\u00e4herbringt. Die Anekdote entstammt den Lebenserinnerungen eines Brasilieneinwanderers aus Posen, der sich in der Stadt Blumenau ansiedelt und als junger Mann den damals 62-j\u00e4hrigen Ad\u00e3o Goetten kennenlernt. Gemeinsam mit einigen Freunden unternimmt er 1877 einen Trip nach Curitibanos und findet im Haus der Goettens Unterschlupf. Karl Kleine, so hie\u00df der Reisende, entwirft in seinen Lebenserinnerungen das Portr\u00e4t eines sehr urt\u00fcmlichen Eifelaners, der seine Ecken und Kanten auch fern der Heimat nicht verloren hat.<\/p>\n<blockquote><p>&#8230; Bald ging es wieder \u00fcber Campos, durch Hochwald, Busch und Sumpf immer nach Curitibanos zu. Das Leben bot hier etwas mehr Abwechslung als im eigentlichen Urwald, weil wir oft von Propeiros und anderen Campbewohnern besucht und ganze Strecken weit begleitet wurden. &#8211; An der Stra\u00dfe von Curitibanos hauste zu jener Zeit ein alter Deutscher namens Adam Goetten. Er war aus der Rheingegend vor vielen Jahren hierher gezogen und hatte sich &#8211; mitten unter Brasilianern &#8211; seine deutsche Muttersprache bewahrt. Der alte Ad\u00e3o, wie ihn alle Campbewohner nannten, war gut eingerichtet. Er hatte eine zahlreiche Familie, die aber &#8211; au\u00dfer seiner Frau &#8211; die deutsche Sprache total verachtete und schon ganz und gar verbrasilianisiert war. &#8211; Zu diesem Addo nun kamen wir eine Zeitlang ins Quartier: Er nahm uns sehr freundlich auf, und wir lebten bei ihm wie Gott in Frankreich. &#8211; Aber der gute Alte hatte auch seine Mucken und konnte, unter Umst\u00e4nden, sehr ungem\u00fctlich werden. Wir Blumenauer bekamen auch eine kleine Probe davon.<\/p>\n<p>Als wir mit Sack und Pack bei ihm einzogen, rief er seiner Frau zu: &#8222;Do geh nur her, B\u00e4rbele! Do kumme de Blumenauer Lumpe doher! Do, guck, sein dat auch Leit? Affe seins, B\u00e4re un Elefante seins! Ha, ha, ha! Wat wollt ihr Blumenauer Lumpe bei de alte Ad\u00e3o?&#8220; &#8211; Na ja, wir wurden ganz verdutzt bei diesem wunderlichen Empfang, und etliche von uns machten schon wieder kehrt. Aber das B\u00e4rbele setzt uns bald auseinander, da\u00df ihr Alter gar nicht so uneben sei, wie er sich anstelle. Also fa\u00dften wir uns ein Herz, salutierten und marschierten mit unseren Quers\u00e4cken auf den Buckeln im G\u00e4nsemarsch nach dem Schuppen, der uns zum Quartier angewiesen worden war. Der Alte mit seiner Frau hinterdrein. Eine Weile guckten sie uns zu, wie wir unser Lager bereiteten. Dann fing der Alte wieder an: &#8222;B\u00e4rbele, nacher gibt de Leit ihr Abendbrot! Hast gehert?&#8220; &#8211; Dann wandte er sich an uns: &#8222;Wenns gefressen hant, m\u00e4\u00dfte ihr mir wat singe! Eppes vun de alt Lieder, dat ich mit eich singe kann&#8220;. Dabei fing er schon selber an: &#8222;Nabulion, Nabulion, du Schusterges\u00e4hle&#8220; usw. &#8211; Er sang, vielmehr br\u00fcllte er das ganze Lied herunter und wollte es zu unserem Entsetzen wiederholen; aber sein B\u00e4rbele hinderte ihn daran: &#8222;No, no, nu loo\u00df de Leit doch gehe&#8220;.<\/p>\n<p>Der Alte aber nahm das krumm und schnauzte seine Frau geh\u00f6rig an. Beide verschwanden jetzt im Haus, und wir folgten ihnen sp\u00e4ter nach. Drinnen wurde ein gutes Abendessen f\u00fcr uns aufgetragen. Nach dem Essen mu\u00dften alle Mann, ob sie nun konnten oder nicht, mit dem sehr angeheiterten Ad\u00e3o um die Wette singen. Der Alte war unerm\u00fcdlich bei diesem Gebr\u00fclle und lie\u00df uns nicht eher los, bis wir vor Heiserkeit nicht mehr mithalten konnten. &#8211; Wenn das jeden Abend so ging, waren wir bald fix und fertig. Zum Gl\u00fcck aber sorgte B\u00e4rbel daf\u00fcr, da\u00df wir wenigstens nicht an jedem Abend solche Kraftproben abzulegen brauchten. Nun, wie der alte Addo sich auch gab, er hatte jedenfalls das beste Haus, das beste Vieh und den sch\u00f6nsten Garten. Weit und breit gab es keine bessere Wirtschaft, und der Alte war \u00fcberaus gastfreundlich und gab mit vollen H\u00e4nden; da konnte man sich schon etwas gefallen lassen. Nur wenn er zu viel getrunken hatte, wurde er recht ungem\u00fctlich und machte sich viele Feinde damit. &#8211; &#8230;<\/p>\n<p>Zitiert nach: Horst-Dieter G\u00f6ttert (unter Mitwirkung von M\u00e1rio Hil\u00e1rio Goettems): Vom Moselland nach Brasilien. Die F\u00f6hrener Familie Kreten-G\u00f6tten. Beckingen\/Saar 1999.<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In dem Text klingt es schon an: Mal abgesehen vom alten Ad\u00e3o z\u00e4hlten die G\u00f6ttens zu den Einwandererfamilien, die sich recht z\u00fcgig der neuen Gesellschaft anpassten. Mit anderen Worten: Sie heirateten in Familien ein, die bereits l\u00e4nger ans\u00e4ssig waren, sie nahmen Portugiesisch als Muttersprache an und hatten auch alsbald einflussreiche \u00c4mter oder Berufe inne. Das lag daran, dass sie mehr oder weniger als einzelne Familie durchs Land zogen und auf sich allein gestellt waren. Andere deutsche Zuwandererfamilien, die sich zu mehreren am selben Ort ansiedelten, blieben oftmals \u00fcber Generationen unter sich und heirateten untereinander. So blieb bei diesen Exildeutschen erstaunlicherweise auch bis heute das Hunsr\u00fccker Platt erhalten. Wer es nicht glauben mag, schaue sich bitte folgenden kurzen Filmbeitrag an. Er handelt von einer brasilianischen Gruppe, die auf Besuch in der alten Heimat ihrer Vorfahren an der Mosel ist.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/PfH8v0yCDN0\" height=\"315\" width=\"420\" allowfullscreen=\"\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/p>\n<p>In F\u00f6hren ist der Familienname G\u00f6tten, der sich dort bis in das 16. Jahrhundert zur\u00fcckverfolgen l\u00e4sst, inzwischen ausgestorben. Ein kleines G\u00e4sschen namens G\u00f6ttenecken erinnert noch daran, dass hier einst eine Familie dieses Namens beheimatet war. Ganz anders sieht das in Brasilien aus. Einige Nachfahren haben wie gesagt Karriere gemacht. Allein in sp\u00e4terem Wohnsitz Curitbanos sind f\u00fcnf Stra\u00dfen nach verschiedenen Nachfahren von\u00a0Ad\u00e3o Goetten benannt worden. Erstens kommt es anders, zweitens in Brasilien.<\/p>\n<h2>Links<\/h2>\n<p><a title=\"Homepage der Familie Goettems\" href=\"http:\/\/www.goettems.com.br\/\" target=\"_blank\">Homepage der Familie Goettems<\/a> (inklusive Fotos einiger seiner Nachfahren &#8211;&gt; &#8222;Os Goetten de Santa Catarina&#8220;)<\/p>\n<p><a title=\"Homepage Horst-Dieter G\u00f6ttert\" href=\"http:\/\/www.hdgoettert.de\/\" target=\"_blank\">Homepage von Horst-Dieter G\u00f6ttert<\/a><\/p>\n<h2>Meine Verwandtschaft zu Ad\u00e3o Goetten<\/h2>\n<p>Ad\u00e3o Goetten ist ein Cousin 3. Grades meine 3xUrgro\u00dfvaters Adam Kraff. Jetzt darf man raten, wie unser gemeinsamer Vorfahr hei\u00dft. Richtig, Adam. Genauer gesagt: <a title=\"Personenblatt Adam G\u00f6tten\" href=\"http:\/\/angenehmerweise.de\/genealogy\/getperson.php?personID=I05260&amp;tree=tree1\">Adam G\u00f6tten<\/a> und <a title=\"Personenblatt Anna Maria Elsen\" href=\"http:\/\/angenehmerweise.de\/genealogy\/getperson.php?personID=I03383&amp;tree=tree1\">Anna Maria Elsen<\/a>. Und schlie\u00dflich die Verwandtschaft von Ad\u00e3o zu mir im <a title=\"Verwandtschaftsrechner Adam Goetten und G\u00fcnter B\u00e4cker\" href=\"http:\/\/angenehmerweise.de\/genealogy\/relationship.php?altprimarypersonID=&amp;savedpersonID=I08589&amp;secondpersonID=I00427&amp;maxrels=1&amp;disallowspouses=0&amp;generations=15&amp;tree=tree1&amp;primarypersonID=I04931\">Verwandtschaftsbaum<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Leben in Rio Negro ist alles andere als ein Zuckerschlecken. Die ersten Behausungen sind notd\u00fcrftig zusammengekloppte H\u00fctten aus Urwaldholz und Palmbl\u00e4ttern. 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