{"id":16,"date":"2014-02-09T19:13:26","date_gmt":"2014-02-09T18:13:26","guid":{"rendered":"http:\/\/angenehmerweise.de\/majusebetter\/?p=16"},"modified":"2014-02-09T23:08:52","modified_gmt":"2014-02-09T22:08:52","slug":"adam-goetten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/angenehmerweise.de\/majusebetter\/adam-goetten\/","title":{"rendered":"Der mit den Affen br\u00fcllt &#8211; Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>Erstens kommt es anders, zweitens in Brasilien. So k\u00f6nnte das Motto f\u00fcr die Lebensgeschichte von <a title=\"Personenblatt Ad\u00e3o Goetten\" href=\"http:\/\/angenehmerweise.de\/genealogy\/getperson.php?personID=I04931&amp;tree=tree1\" target=\"_blank\">Ad\u00e3o Goetten\/Adam G\u00f6tten<\/a> lauten. Zumindest f\u00fcr das, was wir heute dar\u00fcber wissen. Dieses Wissen verdanken wir zum Beispiel so einem Zufall, wo die Dinge nicht so liefen, wie sich die Beteiligten das urspr\u00fcnglich vorstellten. <!--more--><\/p>\n<h2>Schlechter Start<\/h2>\n<p>Eine Familie Goettems aus Brasilien hatte ihre Vorfahren bis ins Saarland zur\u00fcckverfolgen k\u00f6nnen. Nun fiel den Goettems aber auf, dass es im S\u00fcden Brasiliens noch eine zweite weitverbreitete Familie mit dem Namen Goetten gab. Goettems &#8211; Goetten. Existierte da etwa ein Zusammenhang? Hatten beide Familien gar einen gemeinsamen Ursprung? Der brasilianische Familienforscher M\u00e1rio Hil\u00e1rio Goettems sprach seinen Forscherkollegen <a title=\"Homepage Horst-Dieter G\u00f6ttert\" href=\"http:\/\/www.hdgoettert.de\/\" target=\"_blank\">Horst-Dieter G\u00f6ttert<\/a> auf dieses R\u00e4tsel an. Vielleicht konnte der Freund aus dem Saarland weiterhelfen. Herr G\u00f6ttert zeigte sich interessiert. Sobald er sich aber an die Recherche machte, stellte er rasch fest, dass die Auswandererfamilie rein gar nichts mit den saarl\u00e4ndischen G\u00f6dems\/Goettems zu tun hatte. Die Spuren f\u00fchrten stattdessen nach F\u00f6hren in die Eifel.<\/p>\n<p>Im Nachbarort Schweich erscheint am 9. November 1815 um acht Uhr morgens, wie es der B\u00fcrgermeister J\u00e4ger penibel vermerkt, die 56-j\u00e4hrige Hebamme Catharina Sch\u00e4fer aus F\u00f6hren.<\/p>\n<blockquote><p>[Sie] zeigte uns ein Kind von m\u00e4nnlichem Geschlechte vor, erkl\u00e4rend, da\u00df selbes in F\u00f6hren am achten November um vier Uhr Nachmittags von dem unbekannten Vater und der Catharina GOETTEN erzeugt worden sei, welchem Kind sie den Namen Adam beilegen wollen. Wor\u00fcber wir in Gegenwart des Johann SCHAEFER, alt vierzig Jahr, Ackerer in F\u00f6hren, und des Johann ORTH, alt sechs und drei\u00dfig Jahr, Ackerer von F\u00f6hren, diesen Akt in doppeltem Original aufgesetzt haben, welche nach Verlesung von dem Deklarenten, den Zeugen und &#8230; unterschrieben wurden zu Schweich wie oben. Die Deklarentin Katharin SCHEFER erkl\u00e4rte, nicht schreiben zu k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<p>Quelle: Geburts-Akt No. 97\/1815, Standesamt Schweich. Zitiert nach: Horst-Dieter G\u00f6ttert (unter Mitwirkung von M\u00e1rio Hil\u00e1rio Goettems): Vom Moselland nach Brasilien. Die F\u00f6hrener Familie Kreten-G\u00f6tten. Beckingen\/Saar 1999.<\/p><\/blockquote>\n<p>Tja, dumm gelaufen. Die Zukunftsaussichten f\u00fcr ein unehelich geborenes Kind und dessen Mutter sind in diesen Zeiten alles andere als rosig. Die Sterblichkeitsrate von S\u00e4uglingen und Kleinkindern ist zu Beginn des 19. Jahrhunderts in der Eifelregion eh schon exorbitant hoch, wenn man es mit den heutigen Verh\u00e4ltnissen vergleicht. Ich behaupte mal, dass die Sterblichkeitsrate bei unehelich geborenen Kindern damals noch deutlich dar\u00fcber lag. Ich kann es nicht statistisch beweisen, es ist blo\u00df ein Gef\u00fchl, nachdem ich Tausende von Geburtseintr\u00e4gen aus dieser Zeit gesehen habe.<\/p>\n<h2>Zu neuen Ufern<\/h2>\n<p>Ist schon klar: Es kommt auch in diesem Fall anders. Der kleine Adam \u00fcberlebt und die Mutter <a title=\"Personenblatt Catharina G\u00f6tten\" href=\"http:\/\/angenehmerweise.de\/genealogy\/getperson.php?personID=I05299&amp;tree=tree1\" target=\"_blank\">Catharina G\u00f6tten<\/a> heiratet sechs Jahre nach seiner Geburt den F\u00f6hrener <a title=\"Personenblatt Matthias Kreten\" href=\"http:\/\/angenehmerweise.de\/genealogy\/getperson.php?personID=I08923&amp;tree=tree1\" target=\"_blank\">Matthias Kreten<\/a>. Das Paar hat drei weitere Kinder. 1828 beschlie\u00dft die Familie, \u00fcber Bremen nach Brasilien auszuwandern. \u00dcber die konkreten Gr\u00fcnde f\u00fcr die Auswanderung k\u00f6nnte ich bestenfalls spekulieren. Deswegen lasse ich das an dieser Stelle. Ich werde das Thema irgendwann mal in einem gesonderten Beitrag aufgreifen und \u00fcber die Hintergr\u00fcnde der Auswanderungswellen aus dem &#8222;rheinischen Sibirien&#8220; oder &#8222;rheinischen Irland&#8220;, wie die Zeitgenossen damals liebevoll die Eifel bezeichneten, berichten.<\/p>\n<p>In dem 100-seitigen Manuskript &#8222;Vom Moselland nach Brasilien&#8220; beschreibt Horst-Dieter G\u00f6ttert ausf\u00fchrlich den Weg, den die G\u00f6ttens und Kretens bis zu ihrem Bestimmungsort in der Neuen Welt zur\u00fccklegen. Zusammen mit anderen Auswandererfamilien von Eifel, Mosel und Hunsr\u00fcck gehen sie am 30. Juni 1828 in Bremen an Bord der &#8222;Charlotte &amp; Louise&#8220;, die von Kapit\u00e4n Hermann Wessels gesteuert wird. Nach drei Monaten auf hoher See erreichen sie am 2. Oktober 1828 Rio de Janeiro. Der Bremer Maler Carl Justus Harmen Fedeler hat die Brigg auf einem Gem\u00e4lde festgehalten. Insofern k\u00f6nnen wir uns im buchst\u00e4blichen Sinne ein Bild von ihr machen.<\/p>\n<div id=\"attachment_32\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/angenehmerweise.de\/majusebetter\/2014\/02\/09\/adam-goetten\/bremer_brigg_charlotte_louise_kd129-082319\/\" rel=\"attachment wp-att-32\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-32\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-32\" alt=\"Carl Justus Harmen Fedeler (1799-1858): Die Bremer Brigg &quot;Charlotte &amp; Louise&quot;\" src=\"http:\/\/angenehmerweise.de\/majusebetter\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2014\/02\/bremer_brigg_charlotte_louise_kd129-082319.jpg\" width=\"500\" height=\"341\" srcset=\"https:\/\/angenehmerweise.de\/majusebetter\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2014\/02\/bremer_brigg_charlotte_louise_kd129-082319.jpg 500w, https:\/\/angenehmerweise.de\/majusebetter\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2014\/02\/bremer_brigg_charlotte_louise_kd129-082319-300x204.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-32\" class=\"wp-caption-text\">Carl Justus Harmen Fedeler (1799-1858): Die Bremer Brigg &#8222;Charlotte &amp; Louise&#8220;<\/p><\/div>\n<h2>Falsche Versprechen<\/h2>\n<p>Rio de Janeiro. Klingt erst mal nach Sonne, Strand, Samba und knappen Bikinis. Da ist man 1828 aber noch weit von entfernt. Die Odyssee unserer Auswanderer hat gerade erst begonnen. Zun\u00e4chst kommt es zu einer Verz\u00f6gerung der Reise, die vermutlich auf Streitigkeiten mit den brasilianischen Beh\u00f6rden zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. In Deutschland haben die angeworbenen Kolonisten einen Vertrag unterzeichnet, der ihnen ein St\u00fcck Land im heutigen Bundesstaat Rio Grande do Sul verspricht. Dort, an der Grenze zu Uruguay, haben sich in den vier Jahren zuvor eine Vielzahl anderer Einwanderer niedergelassen, die ebenfalls aus dem Raum Eifel\/Mosel\/Hunsr\u00fcck stammen. N\u00e4, n\u00e4, Marie, ass dat net schien, iewerall nua \u00c4ffler dien. Dazu g\u00fcnstiges, fruchtbares Ackerland, zehn Jahre Befreiung von Abgaben und kostenlose Versorgung mit Lebensmitteln bis zur ersten Ernte. F\u00fcr den Eifler Bauersmann und Tagel\u00f6hner aus dem 19. Jahrhundert muss sich das angeh\u00f6rt haben, als habe er ein St\u00fcck Vorgarten vom Paradies gepachtet.<\/p>\n<p>In Rio fallen die Bauersleut jedoch aus allen Wolken, als sie h\u00f6ren, wohin die Reise nun wirklich geht. Die brasilianischen Beamten er\u00f6ffnen ihnen, dass sie an einen Ort namens Rio Negro geschickt werden, tief im Innern des Urwalds verborgen, weit weg von allen Landsleuten. &#8222;Ort&#8220; ist allerdings ma\u00dflos \u00fcbertrieben. Denn H\u00e4user gibt es dort keine, von Gesch\u00e4ften, Schulen oder Kirchen ganz zu schweigen. Ja, die versprochenen Grundst\u00fccke sind immerhin schon markiert worden. Dumm nur, dass man die Ackerfl\u00e4chen zun\u00e4chst noch roden muss.<\/p>\n<p>Nach z\u00e4hen Verhandlungen, die scheinbar zu nichts f\u00fchren, geht es zun\u00e4chst mit dem Boot weiter entlang der brasilianischen K\u00fcste nach S\u00fcden. Ziel: die Hafenstadt Paranagu\u00e1. Diese erreicht man am 28. Mai 1829. Inzwischen ist ein Jahr vergangen, seitdem man F\u00f6hren verlassen hat. Am Ziel ist man aber immer noch nicht angelangt. Jetzt beginnt ein strapazi\u00f6ser Fu\u00dfmarsch durch das brasilianische Hinterland. Die Einwanderer erwartet eine Wegstrecke von rund zweihundert Kilometern durch dichten Dschungel und Sumpfgebiet. Im November 1829, anderthalb Jahre nach Beginn der Auswanderung, erreicht die Gruppe, zu der\u00a0Ad\u00e3o Goetten geh\u00f6rt, endlich das Ziel. Hier am Rio Negro, dem Grenzfluss zwischen den Bundesstaaten Santa Catarina und Paran\u00e0, soll die gleichnamige Siedlung entstehen, deren Gr\u00fcnder die deutschen Emigranten sind.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/maps.google.de\/maps?f=d&amp;source=s_d&amp;saddr=Paranagu%C3%A1,+Paran%C3%A1,+Brasilien&amp;daddr=Rio+Negro,+Paran%C3%A1,+Brasilien&amp;hl=de&amp;geocode=Fb_Kev4dvakb_Sntwz3J5ZrblDGLrqjkeFK1pw%3BFWbQcf4dyCEI_Sm3_RA0p5PdlDHgkakEyoVYHg&amp;aq=1&amp;oq=rio+negro&amp;sll=-25.507137,-48.518723&amp;sspn=1.026239,0.921478&amp;t=h&amp;mra=ls&amp;ie=UTF8&amp;ll=-25.802364,-49.158325&amp;spn=1.186904,1.757813&amp;z=9&amp;output=embed\" height=\"480\" width=\"640\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><br \/>\n<small><a style=\"color: #0000ff; text-align: left;\" href=\"https:\/\/maps.google.de\/maps?f=d&amp;source=embed&amp;saddr=Paranagu%C3%A1,+Paran%C3%A1,+Brasilien&amp;daddr=Rio+Negro,+Paran%C3%A1,+Brasilien&amp;hl=de&amp;geocode=Fb_Kev4dvakb_Sntwz3J5ZrblDGLrqjkeFK1pw%3BFWbQcf4dyCEI_Sm3_RA0p5PdlDHgkakEyoVYHg&amp;aq=1&amp;oq=rio+negro&amp;sll=-25.507137,-48.518723&amp;sspn=1.026239,0.921478&amp;t=h&amp;mra=ls&amp;ie=UTF8&amp;ll=-25.802364,-49.158325&amp;spn=1.186904,1.757813&amp;z=9\">Gr\u00f6\u00dfere Kartenansicht<\/a><\/small><\/p>\n<p>In Rio Negro verliert sich dann allerdings die Spur der meisten Familienmitglieder. Einzig Matthias Kreten findet 1929 auf einem Denkmal Erw\u00e4hnung, welches das hundertj\u00e4hrige Bestehen der Stadt Rio Negro im Bundesstaat Paran\u00e0 und deren Gr\u00fcnder w\u00fcrdigt. \u00dcber seine Frau wissen wir nur, dass sie auf der Ankunftsliste verzeichnet ist. Adams Halbgeschwister werden \u00fcberhaupt nicht mehr erw\u00e4hnt. Sind sie vielleicht auf der langen \u00dcberfahrt verstorben? Oder kamen sie mit dem Klima nicht klar und wurden kurz nach der Ankunft von Krankheiten dahingerafft?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8212;&gt; Fortsetzung in <a title=\"Der mit den Affen br\u00fcllt \u2013 Teil 2\" href=\"http:\/\/angenehmerweise.de\/majusebetter\/2014\/02\/09\/der-mit-den-affen-bruellt-teil-2\/\">Teil 2<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erstens kommt es anders, zweitens in Brasilien. So k\u00f6nnte das Motto f\u00fcr die Lebensgeschichte von Ad\u00e3o Goetten\/Adam G\u00f6tten lauten. 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